Immobilienfinanzierung in Deutschland:

8 Dinge, die du als Franzose unbedingt wissen solltest

Du lebst und arbeitest in Deutschland und möchtest hier eine Immobilie kaufen? Das ist immer eine gute Idee! Bevor du dich jedoch ins Abenteuer „Immobilienfinanzierung à l’allemande“ stürzt, solltest du ein paar wichtige Unterschiede zur französischen Baufinanzierung kennen. Hier habe ich sie dir übersichtlich zusammengefasst

1. Zinsbindung – ganz anders als in Frankreich

Wenn du aus Frankreich kommst, bist du es gewohnt: Ein Immobilienkredit läuft in der Regel 20 bis 25 Jahre mit einem festen Zinssatz. Ganz anders in Deutschland! Hier bekommst du zwar oft auch einen Kredit mit einer langen Gesamtlaufzeit – aber die Zinsbindung, also die Zeitspanne, in der dein Zinssatz garantiert gleichbleibt, ist meist deutlich kürzer. Typisch sind 10 oder 15 Jahre. Danach wird der Zinssatz neu verhandelt, entweder mit deiner bisherigen Bank oder mit einer neuen – das nennt man hier Anschlussfinanzierung.

Was viele überrascht: Zinsbindung und Kreditlaufzeit sind in Deutschland zwei völlig verschiedene Dinge. Nur weil du eine Zinsbindung von zehn Jahren vereinbarst, heißt das nicht, dass dein Kredit nach zehn Jahren vollständig zurückgezahlt sein muss. In den meisten Fällen bleibt nach Ablauf der Zinsbindung ein Restbetrag übrig, der dann über eine Anschlussfinanzierung weiterfinanziert wird. Diese Trennung sorgt bei französischen Kunden oft für Verwirrung – aber keine Sorge, das ist hier ganz normal.

Blick auf Wohnungen mit Balkon in der Wohngegend Berlin Friedrichshain. Ein favorisierter Kiez bei Immobilienkäufern.
Die kurze Zinsbindung bringt Vor- und Nachteile: Einerseits kannst du nach Ablauf der Frist flexibel auf Zinsschwankungen reagieren oder Sondertilgungen leisten. Andererseits besteht ein gewisses Zinsrisiko, falls die Zinsen in der Zwischenzeit steigen. Du solltest also gut planen, wie hoch deine Tilgung ausfällt und ob du dir nach Ablauf der ersten Zinsbindung höhere Raten leisten könntest.


Noch ein Punkt, der gerne übersehen wird: Während in Frankreich oft mit einer festen Laufzeit gearbeitet wird, berechnen deutsche Banken die monatliche Rate anhand von Zins + Tilgung. Du bestimmst zum Beispiel eine anfängliche Tilgung von 1 oder 2 % pro Jahr – und daraus ergibt sich dann deine Rate. Je höher die Tilgung, desto kürzer die Gesamtlaufzeit.

2. Vorfälligkeitsentschädigung – teurer als du denkst
In Frankreich ist die sogenannte „indemnité de remboursement anticipé“ gesetzlich gedeckelt. In Deutschland leider nicht. Wenn du deinen Kredit vor Ende der Zinsbindung zurückzahlst, kann es richtig teuer werden. Die Banken berechnen genau, was ihnen durch die vorzeitige Rückzahlung entgeht – und das zahlst du. Es gibt zwar Sondertilgungen von meist 5 % pro Jahr, aber alles darüber hinaus wird teuer.
3. Restschuldversicherung – Pflicht oder freiwillig?
In Frankreich ist eine umfassende Absicherung meist Pflicht: Lebensversicherung, Arbeitslosigkeit, Invalidität – alles dabei und direkt in die Monatsrate eingerechnet. In Deutschland ist das anders: Hier ist eine Restschuldversicherung in der Regel freiwillig. Viele Banken empfehlen dir stattdessen eine Risikolebensversicherung. Die schützt nicht nur deine Finanzierung, sondern auch deine Angehörigen – vor allem, wenn du eine Familie hast oder planst.


Und jetzt kommt der spannende Teil: Die Beiträge für Risikolebensversicherungen in Deutschland sind oft erstaunlich günstig. Vorausgesetzt, du bist gesund – und das trifft auf viele Expats, gerade in jungen Jahren, zu. Denn bevor du diese Versicherung abschließen kannst, musst du einen recht ausführlichen Gesundheitsfragebogen ausfüllen. Für junge und gesunde Menschen ist das meist kein Problem. Und genau das ist deine Chance!


Wenn du jetzt – jung und gesund – so eine Versicherung abschließt, kannst du dir extrem niedrige Beiträge über 30 Jahre sichern. Oft liegen die monatlichen Kosten bei nur 5 bis 7 Euro. Später im Leben, wenn vielleicht die ersten Beschwerden auftauchen oder du eine Familie versorgen musst, wird es deutlich teurer oder schwieriger, eine vergleichbare Versicherung zu bekommen.
Also mein Tipp: Nutze diesen Moment! Du wirst nie wieder so jung und gesund sein wie heute – das ist der perfekte Zeitpunkt, um dich langfristig abzusichern.

4. Kaufvertrag – der große Unterschied

In Frankreich gibst du mit dem „promesse de vente“ ein verbindliches Versprechen ab – meist sogar mit einer Anzahlung von 10 %. In Deutschland zählt nur der notariell beurkundete Kaufvertrag. Reservierungen beim Makler? Sind rechtlich unverbindlich – außer, du unterschreibst einen Reservierungsvertrag mit Gebühr. Aber erst der Notartermin macht den Kauf wirklich verbindlich!

Eigentumswohnungen in Berlin direkt an der Spree. Hausboote haben dort angelegt, man blickt auf ruhige kleine Straßen und ist doch mitten in der Stadt. 

5. Zwischenfinanzierungen (Prêt relais) – in Deutschland fast ausgestorben

In Frankreich ganz normal – in Deutschland kaum noch zu bekommen. Warum? Banken dürfen dafür keine Bearbeitungsgebühr verlangen, also lohnt es sich für sie nicht. Die wenigen Banken, die es anbieten, verlangen hohe Zinsen. Oft finden sich bessere Alternativen.

6. Tilgungsbeginn & Doppelbelastung – halb so wild!
Viele haben Angst, dass sie eine Zeit lang Miete und Kreditrate doppelt zahlen müssen. Aber das ist meist unbegründet. Der Kredit wird oft mitten im Monat ausgezahlt – da zahlst du nur anteilige Zinsen. Die Tilgung beginnt erst später. Unterm Strich hast du vielleicht eine Monatsmiete doppelt – mehr aber meistens nicht.
7. Schuldenquote vs. Beleihungsgrenze
Frankreich kennt eine klare, gesetzlich vorgegebene Schuldenobergrenze: Deine monatliche Kreditrate (inklusive Versicherungen) darf in der Regel nicht mehr als 35 % deines Nettoeinkommens betragen. Diese Grenze wurde 2021 vom Haut Conseil de Stabilité Financière (HCSF) festgelegt. Sie soll sicherstellen, dass Haushalte sich finanziell nicht übernehmen. Französische Banken dürfen zwar in bis zu 20 % ihrer neuen Kreditvergaben von dieser Regel abweichen – aber nur bei guter Begründung.


In Deutschland gibt es keine gesetzlich fixierte Verschuldungsgrenze. Die Banken prüfen hier eigenständig und im Rahmen gesetzlicher Vorgaben zur Kreditwürdigkeit, wie hoch die Rate im Verhältnis zu deinem Einkommen sein darf. Als Faustregel gilt: Die Kreditrate sollte idealerweise nicht über 40–50 % deines Nettoeinkommens liegen – das hängt aber stark vom Einzelfall ab.
Der große Unterschied: Während du in Frankreich gesetzlich ausgebremst werden kannst, wenn deine Schuldenquote zu hoch ist, sind deutsche Banken in ihrer Entscheidung flexibler – solange deine Bonität insgesamt stimmt.

8. Die SCHUFA – Deutschlands Kreditakte

Wenn du in Deutschland einen Immobilienkredit aufnehmen willst, wirst du früher oder später mit der SCHUFA zu tun haben. Das ist sozusagen die deutsche Version einer Bonitätsauskunft – vergleichbar mit dem französischen FICP-Register (Fichier des incidents de remboursement des crédits aux particuliers). Die SCHUFA sammelt Daten zu deinen bestehenden Verträgen: Mobilfunkverträge, Privatkredite, Kreditkarten, Girokonten – und natürlich auch Baufinanzierungen. Wichtig zu wissen: Bei Immobilienkrediten wird dort nicht die Kreditsumme eingetragen, sondern nur, dass du eine Baufinanzierung hast – und wann sie abgeschlossen wurde. Welche Bank dir den Kredit gewährt hat, ist für andere nicht sichtbar.


Achte unbedingt darauf, dass die Adresse, die du bei der SCHUFA hinterlegt hast, mit der in deinem Kreditantrag übereinstimmt. Banken gleichen das ab – und Abweichungen können zu Rückfragen oder Verzögerungen führen.

Ein Bus fährt durch die Wohngegend Friedrichshain. Ein beliebter Kiez bei Immobilienkäufern.
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Wenn du noch Fragen hast oder eine individuelle Beratung möchtest, stehe ich dir gerne zur Seite – auf Deutsch, Französisch oder Englisch.
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Bis bald!
Dein Florian

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